Aktuelle Herausforderungen in der Rechtsbranche

Teil 2: Herausforderungen im Steuerrecht

In unserer Interview-Reihe "Aktuelle Herausforderungen in der Rechtsbranche" erfahren Sie, wie eine internationale Wirtschaftskanzlei mit Herausforderungen und Chancen in diesen Zeiten umgeht. Im zweiten Teil berichtet Ludmilla Maurer, Counsel im Bereich Tax im Frankfurter Büro von Baker McKenzie, über Herausforderungen im Steuerrecht.

*Zugunsten der Lesbarkeit haben wir auf geschlechterspezifische Schreibweise verzichtet. Wir bitten um Verständnis.

Hier geht es zum Teil 1:   Neue Reihe: Aktuelle Herausforderungen in der Rechtsbranche

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Frau Maurer, was kommt Ihnen als erstes in den Sinn, wenn Sie an Ihre Arbeit als Steuerberaterin und Anwältin in einer Großkanzlei denken?

Ganz klar, das sind die spannenden Aufträge zu komplexen steuerlichen Fragen im grenzüberschreitenden Kontext und der konstruktive fachliche und bereichernde Austausch mit meinen Kollegen aus den deutschen und ausländischen Büros.


Welche Themen sind es, mit denen Sie sich derzeit täglich beschäftigen?

Schwerpunktmäßig beschäftige ich mich unter anderem damit, wie Arbeitnehmer besteuert werden und welche steuerlichen Fragen in diesem Zusammenhang auf Arbeitgeber, also Unternehmen, zukommen. Aktuell treiben mich so gut wie täglich Fragen in Bezug auf das sog. Cross-border Remote Working um. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie arbeiten immer mehr Menschen vom Homeoffice aus. Bei einigen befindet sich das Homeoffice in einem anderen Land als das Land ihres Arbeitgebers. Daraus resultieren steuerliche Risiken - für Arbeitnehmer genauso wie für Unternehmen. Viele Jurisdiktionen reagierten darauf mit vorübergehend geltenden Sonderregelungen. Ich bin mir sicher, dass die grenzüberschreitende Homeoffice-Tätigkeit aber auch in Zukunft, nachdem die Pandemie vorbei ist, immer mehr an Popularität gewinnen wird. Einige Länder, z.B. Griechenland, überlegen für Remote Worker steuerliche Privilegien anzubieten, um Steuerzahler in das Urlaubsparadies zu „locken“. Arbeitnehmer werden die Möglichkeit des Remote Working immer mehr einfordern. Neben dem Interesse der Arbeitnehmer haben jedoch auch Arbeitgeber ein großes Interesse an dieser neuen flexiblen Arbeitsweise. Denn sie erhalten auf diesem Weg Zugang zu neuen Talenten. Ich bin überzeugt, dass mich das Thema in meiner täglichen Praxis noch eine ganze Weile beschäftigen wird.


Was sind aus Ihrer Sicht in diesen Tagen die größeren Herausforderungen im Steuerrecht?

Das Steuerrecht wird immer komplexer und die Vorschriften ändern sich sehr schnell, gerade auch im Vergleich mit anderen Rechtsgebieten. Es ist herausfordernd, die aktuellen Entwicklungen immer im Auge zu behalten, gleichzeitig aber auch extrem spannend. Man lernt jeden Tag etwas Neues dazu.


Wenn Sie sich die Zeit vor Corona und heute anschauen: Hat sich durch die veränderte Situation Ihr Aufgabenspektrum geändert und wenn ja, inwiefern?

Coronabedingt beschäftige ich mich inhaltlich viel mehr mit steuerlichen Fragen rund um die Tätigkeit der Arbeitnehmer im Homeoffice und der Gewährung von Sonderprämien im Zusammenhang mit Corona, z.B. als Anreiz für die Bereitschaft der Mitarbeiter, sich impfen zu lassen. Während der Pandemie nahm die Teilnahme an Videokonferenzen und Webinaren massiv zu. Auch wenn bereits in der Zeit vor Corona Videokonferenzen und Webinare technisch möglich waren, haben Unternehmen dies dennoch nicht in diesem Ausmaß genutzt, wie wir es derzeit erleben. Das ist eine Entwicklung, die sicherlich auch nach der Corona-Krise bleiben wird, und die ich persönlich sehr begrüße. 

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Ich finde, es ist ein Gewinn, mit Kollegen verschiedener Jurisdiktionen, die man bislang nur aus Telefonaten kannte, nun “face to face” am Bildschirm zu sehen. Die internationalen Meetings haben dadurch deutlich zugenommen. Das finde ich prima - auch deshalb, da mir die virtuellen Meetings als Mutter mit
zwei kleinen Kindern erlauben, an solchen Meetings ohne größeren Organisationsaufwand und Trennung von der Familie teilzunehmen.


Welche Skills sind heute nötig, um im Steuerecht erfolgreich beraten zu können?

Während meiner elfjährigen Karriere in unserer Kanzlei stellte ich in Vorstellungsgesprächen mit Kandidaten fest, dass viele gute Steuerrechtler Mathematik als Leistungsfach im Abitur hatten. Und hier schließt sich der Kreis: Eine Affinität zu Zahlen hilft eher, um erfolgreich in diesem Rechtsgebiet zu arbeiten. 


Wie wird der Rechtsmarkt von morgen aussehen und inwieweit spielen Themen wie Digitalisierung und Innovation hier hinein, auch in Ihrem Rechtsgebiet?

Auch im Steuerrecht werden die Digitalisierung und Innovation Einzug halten. Bestimmte Prozesse und Aufgaben, die sich automatisieren lassen, werden sicherlich auch digitalisiert. Ich erwarte viel mehr steuerliche Tools und innovative Lösungen am Markt als wir sie aktuell haben. Da das Steuerrecht jedoch sehr komplex und immer der Einzelfall maßgeblich ist, wird man uns Steuerrechtler durch digitale Tools ganz sicher nicht „ersetzen“ können.


Sie sind regelmäßig Referentin im osteuropäischen Raum.  Wie wichtig ist es Ihnen, grenzüberschreitend aktiv zu sein und in welchen Facetten Ihres Arbeitsalltags  spiegelt   sich   diese   Internationalität wider?  

Einer der Gründe, warum ich mich für eine Tätigkeit in unserer Kanzlei entschieden habe, ist die Internationalität. Ich liebe es, mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturkreisen zusammenzuarbeiten. Fast alle meine Aufträge haben einen grenzüberschreitenden Bezug und daher arbeite ich nahezu täglich mit Kollegen aus unseren ausländischen Büros zusammen. Das macht mir nicht nur viel Spaß, sondern erweitert auch meinen persönlichen und fachlichen Horizont.


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Das Büro von Baker McKenzie in Frankfurt am Main


Ihr persönlicher Tipp an die “Next Generation”?

Bleibt neugierig wie ein Kind, hinterfragt bereits bekannte Erkenntnisse und Konzepte und habt den Mut, Neues auszuprobieren. Oder wie der österreichische Schriftsteller Ernst Ferstl es auf den Punkt brachte: „Wir brauchen den Appetit der Neugier, um in den Genuss neuer Entdeckungen zu kommen.“


Odoo CMS- Sample image floatingLudmilla Maurer

Ludmilla Maurer ist Counsel der Praxisgruppe Steuerrecht bei Baker McKenzie in Frankfurt am Main und berät als Rechtsanwältin und Steuerberaterin nationale und multinationale Unternehmen zu allen Aspekten des Ertragsteuerrechts, einschließlich des Lohnsteuerrechts. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist die Beratung vermögender natürlicher Personen im Bereich der Nachfolgeplanung.


Dieser Beitrag ist erschienen im Newsletter 'Karriere-Jura',                                                                        für dessen Bezug Sie sich auf dieser Seite eintragen können.

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