Als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Großkanzlei Legal Tech mitgestalten

auch in Zeiten von Corona

In der folgenden "Tagebuch"-Reihe gibt Lukas Schobert Einblicke in seine Tätigkeit als Law Clerk in der Banking & Finance Gruppe bei Baker McKenzie in Frankfurt am Main. Er berichtet über seine Erfahrungen, die er als juristischer Mitarbeiter sammelte, über Projekte, die er begleitete – u.a. in punkto Legal Tech –, seine Einbindung ins Team und die Vernetzung innerhalb der Kanzlei dank der Initiative "StayConnected" in diesen außergewöhnlichen Zeiten.

*Zugunsten der Lesbarkeit haben wir auf geschlechterspezifische Schreibweise verzichtet. Wir bitten um Verständnis.

Seit Oktober 2020 arbeitete ich zwei Tage pro Woche in der Praxisgruppe Banking & Finance bei Baker McKenzie. Ich lernte die Kanzlei während eines gemeinsamen Stammtisches mit der Studenteninitiative Legal Tech Lab Frankfurt am Main der Goethe-Universität Frankfurt am Main kennen. Schon zu Beginn meines Studiums wollte ich "über den Tellerrand" schauen - das Legal Tech Lab gab mir dafür eine geeignete Plattform. Seit rund zwei Jahren bin ich nun in der Initiative aktiv tätig und beschäftige mich mit der Digitalisierung des Rechts und dessen Anwendung, zurzeit in der Rolle des Vorstandsvorsitzenden. Seit 2017 ist Baker McKenzie ein Partner des Legal Tech Lab und in meiner Zeit im Vorstand organisierten wir Stammtische und Workshops gemeinsam mit verschiedenen Anwälten der Kanzlei.


Woche 1: Mein erster Tag in der Kanzlei

Mein Start fiel in die Zeiten von Corona. Gleich am ersten Tag in der Banking & Finance Gruppe lernte ich erfreulicherweise einige Teammitglieder kennen. Jeder Law Clerk hat mindestens einen Mentor aus der jeweiligen Praxisgruppe als Ansprechpartner zur Seite, meine Mentoren sind die Counsel Silke Fritz und der Partner Dr. Oliver Socher. Sie besprachen mit mir erste Aufgaben, ein weiterer Partner lud mich ein, an einem Mandantengespräch teilzunehmen. Mir fielen besonders die Offenheit, die Hilfsbereitschaft und die Herzlichkeit aller Kollegen auf, vor allem auch meiner Mentoren. Ich fühlte mich von Anfang an gut aufgehoben und eingebunden.



Lukas Schobert im Frankfurter Büro der Kanzlei


Woche 2: Ein typischer Dienstag

Als ich am nächsten Tag ins Büro kam, erwarteten mich einige Anfragen, Termine und Aufgaben. Unter anderem findet zwei Mal wöchentlich, so war es auch an diesem Tag, ein Teammeeting per Zoom von allen Mitgliedern der Praxisgruppe in Deutschland und Österreich statt. Diese Termine sollten sich während des gesamten Jahres wegen der Corona-Kontaktbeschränkungen als außerordentlich sinnvoll erweisen. Ich lernte per Videokonferenz fast alle Mitglieder der Praxisgruppe "face to face" kennen. Diese Praxisgruppen-Calls begeisterten mich durch den lockeren und humorvollen Umgang des Teams miteinander und vermittelten mir das Gefühl, Teil eines guten Teams zu sein. Meine Wochenaufgabe: eine sog. CP-Liste zu erstellen, die aus den Auszahlungsvoraussetzungen eines Kreditvertrages besteht. In den nächsten Tagen widmete ich mich einer Recherche zum Mandantengespräch und verfasste eine rechtliche Beurteilung, eine sog. "Legal Opinion", für den Mandanten.



Zoom Konferenz mit Lukas Schobert (oben rechts) und seinen Mentoren Silke Fritz und Dr. Oliver Socher


Woche 3: Coffee New York & Pub Quiz

Neben der Arbeit an verschiedenen Mandaten nahm ich auch gerne und regelmäßig an den von Baker seit dem ersten "Lockdown" im März 2020 angebotenen "StayConnected"-Sessions teil. Besonders freute ich mich auf das einmal wöchentlich stattfindende "Coffee in New York", bei denen Law Clerks sich gegenseitig von ihren Erfahrungen berichten. Vor den Kontaktbeschränkungen wegen der Covid-19 Pandemie trafen sich alle Frankfurter Law Clerks und auch sonstige Mitarbeiter einmal wöchentlich im Konferenzraum "New York" für ein gemeinsames Get-together. Nun findet dieser Austausch online statt.

Ein weiteres anstehendes Highlight war das von Law Clerks ausgerichtete "Pub Quiz". Bei diesem tritt ein Anwaltsteam gegen ein Law Clerk-Team in einem "Wer wird Millionär"-ähnlichen Format gegeneinander an. Diese Veranstaltungen ersetzen die Stammtische in Präsenz nicht ganz, doch der gemeinsame Wettkampf garantiert einen unterhaltsamen Abend. Ganz nebenbei lernt man in diesen Sessions schnell Law Clerks und Anwälte außerhalb der eigenen Praxisgruppe kennen.




Das virtuelle "Pub Quiz"


Woche 4: Homeoffice

Im Zuge der mit der Coronapandemie verbundenen Einschränkungen arbeitete ich zunehmend vermehrt im Homeoffice. Die Absprachen mit meinen Mentoren liefen überaus verständnisvoll und unkompliziert. Generell lernte ich die offene und direkte Kommunikation zu schätzen. Selbst sehr flexible Absprachen waren kein Problem. Zu meiner Überraschung funktionierte das Arbeiten aus dem Homeoffice fast ohne Unterschied zur Arbeit im Büro vor Ort und hatte auch sonst einige Vorteile: Wegen der digitalen Angebote konnte ich mit Anwälten und Law Clerks büroübergreifend in Kontakt kommen. Meine vermehrte Zeit im Homeoffice führte auch dazu, dass ich lernte, Fragen, Aussagen und Rückmeldungen per Mail noch präziser zu stellen. Auch die Auslastung hat sich im Homeoffice nur wenig bis gar nicht verändert.



 Woche 5: Legal Tech Lab Stammtisch


Im Rahmen der Kooperation veranstaltet das Legal Tech Lab
Frankfurt am Main regelmäßig zusammen mit Baker McKenzie einen Stammtisch oder einen Workshop für Mitglieder, Law Clerks und andere Interessierte. Meine Aufgabe war es, die Schnittstelle zwischen meiner Tätigkeit für das Legal Tech Lab und meiner Beschäftigung in der Kanzlei zu nutzen und einen spannenden Stammtisch zu organisieren. Referenten waren meine Mentorin Silke Fritz als Reinvent Ambassador und Philipp Thimm, Associate in der Gruppe Banking & Finance. Beide unterstützten mich bei der Organisation maßgeblich und standen mir jederzeit bei Fragen oder Absprachen zur Seite. Wir erarbeiteten gemeinsam ein Konzept für den Stammtisch. Los ging es mit einem großen live Q&A. Hier berichteten die Referenten über ihre eigenen ersten Erfahrungen im Legal Tech Bereich und plauderten "aus dem Nähkästchen". Ich selbst moderierte den Stammtisch, stellte Fragen und entlockte den Referenten so manche spannende Geschichte. Das Feedback war positiv, die Teilnehmer schätzten den offenen Dialog zwischen den Referenten und die entspannte Atmosphäre.


Woche 6: StayConnected-Sessions

Während ich mich verschiedenen Recherchen zu Sicherheiten für Darlehensverträge widmete, stand in der Woche auch ein online Legal Writing-Seminar der "StayConnected"-Reihe an. Der Referent, Dispute Resolution Partner Dr. Ragnar Harbst, führte in die Kunst des präzisen und verständlichen Schreibens für Anwälte ein. Wir waren uns einig, dass jeder Law Clerk dieses Seminar schon bei der Einführung angeboten bekommen sollte. Normalerweise wäre ein solcher Workshop mit einem gemeinsamen Mittagessen in lockerer Atmosphäre ausgeklungen, stattdessen gab der Referent bei einem Online-Kaffee Einblicke in seine Laufbahn.

Ein weiteres Event im Rahmen des StayConnected-Programms waren die Coffee-Talks, die meine Mentorin Silke Fritz zusammen mit Dr. Valesca Molinari, Senior Associate der Corporate Gruppe, organisierte. Wöchentlich wurde ein Anwalt der Kanzlei als Gesprächspartner eingeladen, um in entspannten Runde aus dem Berufsalltag und eigenen persönlichen Erfahrungen zu berichten. Den Abschluss dieser Gesprächsreihe zum Jahresende bildete der "X-Mas Talk" mit Managing Partner Dr. Matthias Scholz als Gast. Auch 2021 wird die Coffee Talk Reihe fortgesetzt.


Woche 7: Innovative Tools

Als juristischer Mitarbeiter lernte ich auch einige neue innovative Tools kennenlernen, die Anwälte täglich unterstützen. Als Legal Tech begeisterter Student ließ besonders das Tool Contract Express mein Herz höherschlagen. Das ist ein cloudbasiertes Dokumentenautomationsprogramm von Thomson Reuters. Mit dessen Hilfe kann man einfach und schnell zahlreiche Dokumente automatisieren. Ich nutzte das Programm, um einen automatisierten Assignment Letter zu entwerfen. Ziel war es, alle zu automatisierenden Kriterien aus dem Dokument herauszufiltern und auf dieser Basis einen Fragebogen für den Adressaten zu formulieren. Für jedes Kriterium sollte ein vorformulierter Textbaustein programmiert werden, der automatisch ins Dokument integriert werden sollte. So lassen sich schnell zahlreiche Dokumente - hier der Assignment Letter - herstellen, die dank der Automatisierung speziell an die konkreten Anforderungen des Mandats angepasst sind. Ein weiteres Tool, das ich regelmäßig in meinem Arbeitsalltag integrierte, ist Litera Change Pro. Dieses ermöglicht dem Anwender, verschiedene Dokumente zu vergleichen und alle Änderungen anzuzeigen. Das Programm wird regelmäßig in der Korrespondenz mit Anwälten von anderen Parteien und auch mit dem Mandanten selbst verwendet.


Woche 8: Law Clerk Weihnachtsfeier

Ich erinnere mich gern an die - erstmals online ausgetragene - Nachwuchsweihnachtsfeier. Wir alle erhielten im Vorfeld ein kleines Weihnachtspaket mit einer persönlichen Weihnachtskarte. Neben Lebkuchen und weiteren Kleinigkeiten enthielt das Paket auch eine Bastelvorlage für einen Tannenbaum, den wir selbst dekorieren konnten. Während der Weihnachtsfeier selbst wurde aus allen eingereichten Tannenbäumen das schönste Exemplar per Abstimmung ermittelt. Zum Ausklang gab es eine große Runde des "Pub Quiz".


Eine Auswahl der Tannenbäume im Rahmen der Challenge


Woche 9: Beurkundungen und Projektabschluss

Die letzte Woche meines Berichts stand ganz im Zeichen des mit dem Jahresende verbundenen Abschluss diverser Projekte. Ich durfte an mehreren Beurkundungen für die jeweils von der Kanzlei repräsentierten Parteien teilnehmen. Besondere Freude bereitete mir eine Beurkundung im Messeturm, aus dessen Büro man einen wunderbaren Blick auf die Skyline Frankfurts genießen konnte.


Messeturm in Frankfurt


Rückblickend hat mich meine bisherige Zeit bei Baker teilweise sehr gefordert, aber vor allem auch zu jedem Zeitpunkt begeistert. Ich fühlte mich stets wohl und gut aufgehoben in meinem Team und konnte viele fachliche und persönliche Erfahrungen sammeln.


Zum Autor

Lukas Schobert war von Oktober 2020 bis März 2021 juristischer Mitarbeiter bei Baker McKenzie. Ein halbes Jahr lang arbeitete er in der Praxisgruppe Banking & Finance in Frankfurt am Main. Daneben ist er Vorstandsvorsitzender des Legal Tech Lab Frankfurt am Main.


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