Einstieg ins Rechtsgebiet Corporate

Berufseinsteiger und Mentor im Interview


Was erwartet Be­rufs­ein­stei­ger im Corporate Be­reich einer Großkanzlei? Und welche Fähigkeiten sollten sie mitbringen oder rasch lernen? Antworten auf diese und weitere Fragen rund um den Einstieg in dieses Rechtsgebiet geben Celina Anna Zaim und Dr. Richard Stefanink, beide Corporate/M&A-Anwälte im Düsseldorfer Büro von Baker McKenzie. 


      Celina Anna Zaim und Dr. Richard Stefanink

*Zugunsten der Lesbarkeit haben wir auf geschlechterspezifische Schreibweise verzichtet. Wir bitten um Verständnis.

Frau Zaim, Herr Dr. Stefanink, zunächst einmal: Wie kamen Sie zum Bereich Corporate?

Celina Anna Zaim: Gesellschaftsrechtliche Themen fand ich bereits im Studium extrem spannend. So war für mich schnell klar, dass ich meinen universitären Schwerpunkt aus dem Bereich "Unternehmensrecht" wählen würde. Parallel zu meinem Studium arbeitete ich als studentische Mitarbeiterin bei Baker McKenzie und konnte so früh erste Einblicke in die Welt einer global agierenden Großkanzlei gewinnen. Vertiefte praktische Erfahrungen im Gesellschaftsrecht sammelte ich dann während meiner Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Kanzlei im Düsseldorfer Corporate/M&A Team und während meiner Anwaltsstation. Ich stellte schnell fest, dass mir die Arbeit an komplexen internationalen Mandaten viel Freude macht und ich mich im Düsseldorfer Team gut aufgehoben fühle.

Dr. Richard Stefanink: Mir ging es ähnlich wie Celina – meine Affinität zum Gesellschaftsrecht entdeckte ich schon im Studium. Mich begeistert damals wie heute, dass dieses Rechtsgebiet so komplex ist und sich ständig weiterentwickelt, gerade durch seine zunehmende Europäisierung. In meiner Dissertation nach dem Ersten Staatsexamen beschäftigte ich mich mit einer Fragestellung zu den Auswirkungen versicherungsaufsichtsrechtlicher EU-Bestimmungen auf das deutsche Aktiengesetz. Nebenbei arbeitete ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einer internationalen Großkanzlei im Bereich Corporate/M&A. Diese Tätigkeit gab mir einen echten Einblick in den Berufsalltag. Ich kann daher aus eigener Erfahrung jedem empfehlen, möglichst früh im Studium oder Referendariat Praxiserfahrung zu sammeln, wenn man mit dem Gedanken spielt, in eine Großkanzlei einzusteigen.


Was erwartet Referendare, Praktikanten und wissenschaftliche Mitarbeiter im Rechtsgebiet Corporate?

Dr. Richard Stefanink: In unserem Team ist es ein wichtiges Anliegen, unsere wissenschaftlichen Mitarbeiter, Referendare und Praktikanten möglichst schnell und intensiv in die Mandatsarbeit einzubinden. So können sie ein Gefühl dafür entwickeln, ob ihnen diese Arbeit Spaß macht. Erfreulicherweise führen solche Tätigkeiten auch öfter zu einem späteren Einstieg als Associate in unserem Team oder in eine unserer anderen Praxisgruppen. Denn gerade im M&A-Bereich arbeiten wir bei Projekten mit Kollegen aus diversen anderen Teams zusammen und so kann man die Fühler auch in diese Richtungen ausstrecken.


Und wenn der Einstieg als Associate geklappt hat - wie sieht der konkrete Alltag aus in Ihrer Kanzlei?

Celina Anna Zaim: Als Berufseinsteiger wird man unmittelbar in die Mandatsarbeit einbezogen und bekommt einen erfahrenen Mentor an die Seite gestellt. Nicht nur der eigene Mentor begrüßt einen am ersten Arbeitstag, sondern auch ein "Buddy". Dies ist ein erfahrener Associate der eigenen oder einer anderen Praxisgruppe, in der Regel am gleichen Standort. Der Buddy erleichtert einem den Einstieg ins Kanzleileben und unterstützt gleichzeitig beim Networking mit Kollegen. Als Berufseinsteiger knüpft man darüber hinaus auch rasch standortübergreifende Kontakte: So lernt man während einer zweitägigen Take-Off-Veranstaltung auch die anderen (neuen) Kollegen aus den deutschen Büros kennen und verknüpft sich über Veranstaltungen wie der Inhouse University oder dem (virtuellen) StayConnected Programm, das die Kanzlei zu Beginn der Coronapandemie ins Leben gerufen hat, mit vielen weiteren Kollegen.


Mit welchen Aufgaben hat man es als Berufseinsteiger im Corporate Bereich zu tun?

Celina Anna Zaim: Neben internationalen Mandaten erwarten Berufseinsteiger in unserer Kanzlei ein offenes Miteinander und eine individuelle intensive Förderung.

Man entwickelt von Beginn an im Team Lösungen für neue, stets mandatsbezogene Sachverhalte. Die täglichen Aufgaben sind dabei sehr vielfältig. In unserer Praxisgruppe strukturieren wir internationale Unternehmenskäufe und -verkäufe und begleiten diese rechtlich. Zudem beraten wir Mandanten zu klassischen gesellschaftsrechtlichen Fragen, grenzüberschreitenden Reorganisationen und auch im Aktien- und Konzernrecht. Kein Tag gleicht dem anderen und das macht unsere Arbeit so spannend.




Dr. Richard Stefanink: Celina sprach die Due Diligence an und die Koordination mit den daran beteiligten Praxisgruppen. Mit diesen stehen wir in einem intensiven Austausch, sie helfen uns dabei, Spezialthemen zu verstehen und Lösungen zu entwickeln. Für oft wiederkehrende Fragen aus anderen Rechtsgebieten entwickelt man dann auch als Berufsanfänger schnell zumindest ein Grundgespür und bekommt die neuesten Entwicklungen z.B. im Arbeits-, IP- oder Datenschutzrecht mit. Denn jede Zielgesellschaft ist anders – und damit auch jede Transaktion. Einige strukturelle Abläufe wiederholen oder ähneln sich aber bei den meisten Transaktionen, sodass auch Berufseinsteiger schnell gewisse Routinen gewinnen. Das ist in unserem Job besonders wichtig, weil wir während eines Projekts vielfältige Aufgaben haben und der Tag eine bunte Mischung aus Projektkoordination, Vertragsgestaltung und der Auseinandersetzung mit oft komplexen gesellschaftsrechtlichen Fragen mit sich bringt. Dann kommt es darauf an, beizeiten Erfahrungen zu sammeln, um diese Herausforderungen im Alltag zu meistern.


Was sollte man als Berufseinsteiger noch mitbringen oder zumindest schnell lernen, um im Corporate/M&A Bereich erfolgreich zu sein?

Dr. Richard Stefanink: Im M&A-Bereich sollte man sich rasch ein ökonomisches Grundverständnis aneignen und sich mit Fragen dieser Thematik auseinandersetzen. Denn für den Mandanten steht am Ende des Tages das wirtschaftliche Ergebnis im Mittelpunkt. Als anwaltlicher Berater ist es wichtig, dies stets im Blick zu haben, um die Transaktion auf die Bedürfnisse des Mandanten auszurichten und auf eventuelle Änderungen schnell reagieren zu können. Da unsere Mandantenstruktur sehr international ist, findet der überwiegende Teil meiner Arbeit auf Englisch statt. Gute Englischkenntnisse sind daher ein Muss in unserem Bereich. Ich empfehle daher jedem angehenden Associate, die eigenen Englischkenntnisse auszubauen – idealerweise durch Auslandsaufenthalte mit Praxisbezug. In unserer Kanzlei ist es z.B. möglich, während des Referendariats eine Station in einem der weltweiten Büros zu absolvieren.


Stichwort Internationalität – wie macht sich das in Ihrem Alltag bemerkbar?

Dr. Richard Stefanink: Wir sind täglich mit plötzlich auftauchenden herausfordernden Fragen aus allen möglichen Rechtbereichen in den verschiedensten Jurisdiktionen konfrontiert. Oft greife ich zum Hörer und stimme mich mit Kolleginnen und Kollegen dazu ab – unabhängig davon, ob ich sie persönlich kenne oder ob mein Gegenüber in Berlin, Bogota oder Brisbane sitzt.


Ihr persönlicher Tipp für die "Next Generation"?

Celina Anna Zaim: Wer sich für den Beruf als Rechtsanwalt im Corporate/M&A Bereich einer internationalen Großkanzlei interessiert, sollte bereits neben der Ausbildung Kontakte zu potentiellen Arbeitgebern knüpfen. So hat man die Möglichkeit, den Anwaltsberuf und auch die spezielle Praxisgruppe früh auszuprobieren und kennenzulernen.


Frau Zaim, Herr Dr. Stefanink, haben Sie vielen Dank für dieses Gespräch.


Zu den Interviewpartnern:


Celina Anna Zaim ist Associate der Praxisgruppe Corporate/M&A am Düsseldorfer Standort von Baker McKenzie und berät zu allen Fragen des Corporate/M&A mit Fokus auf die Bereiche Private M&A, Private Equity und Reorganisation. Sie studierte Rechtswissenschaften an der Universität Bonn und der Universität Köln.




Dr. Richard Stefanink ist Senior Associate der Praxisgruppe Corporate/M&A bei Baker McKenzie in Düsseldorf und berät zu allen Fragen des Corporate/M&A mit Fokus auf die Bereiche Private M&A und Private Equity. Er studierte Rechtswissenschaften an der Universität Bielefeld und promovierte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.



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